Ziel der Untersuchung war es, ein Programm zur Schmerzvorbeugung und Gesundheitsförderung im Grundschulalter auf seine Wirksamkeit zu überprüfen. Insgesamt konnten 135 Kinder, die am Programm „fit und stark plus“ teilnahmen, sowie 280 Kinder in der Kontrollgruppe zu drei Messzeitpunkten der Untersuchung, beim Schuljahresbeginn, am Schuljahresende und drei Monate nach Schuljahresende, befragt werden. Untersucht wurden die Wirkungen des Programms auf das Auftreten von Schmerzen und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, wie Arztbesuche und Medikamenteneinnahme, aufgrund von Schmerzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Programmen wurden ebenso Faktoren wie gesunder Lebensstil, Bewegung, Entspannung, Schlaf und Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit untersucht. Weitere Aspekte wie Handlungskompetenz, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Selbstwirksamkeitserwartung, Selbstwert, Klassenklima, Lernsituation sowie Stärken und Schwächen der Kinder wurden ebenfalls in die Untersuchung mit einbezogen.

Das Forschungsprojekt „fit und stark plus“ basiert auf einem experimentellen Untersuchungsdesign mit zwei Untersuchungsgruppen. In der Experimentalgruppe wurde das Programm „fit und stark plus“ während des zweiten Schuljahres durchgeführt, nicht jedoch in der Kontrollgruppe. Die Messungen erfolgten anhand von Fragebögen zu drei Zeitpunkten: vor dem Programmeinsatz am Anfang des Schuljahres (T1), nach der Programmdurchführung am Ende des Schuljahres (T2), sowie einer Nachbefragung nach 3 Monaten am Anfang der 3. Klasse („Follow-up“, T3). Während die Schmerzhäufigkeit (gemessen im Ein-Wochenzeitraum) in der Kontrollgruppe im Zeitraum der Vorbefragung (T1: 53,6%) zur Befragung Ende des Schuljahres (T2: 70,0%) bedeutsam stieg und sich in der Nachbefragung verfestigte (T3: 69,6%), nahm in der „fit und stark plus“-Gruppe die Schmerzhäufigkeit nicht zu (T1: 53,3%; T2: 62,2%; T3: 60,0%).
Zum Zeitpunkt der Nachbefragung (Follow-up) berichtete etwa jedes sechzehnte Kinder der „fit und stark plus“-Gruppe (6,8%) wegen Schmerzen einen Arzt aufgesucht zu haben. Im Gegensatz dazu stieg der Anteil in der Kontrollgruppe auf etwa jedes sechste Kind (15,8%). Die Einnahme von Medikamenten aufgrund von Schmerzen stieg in der Kontrollgruppe im Projektzeitraum signifikant an (T1: 13,4%; T2: 21,9%). In der „fit und stark plus“-Gruppe nahmen die Kinder nicht mehr Medikamente wegen Schmerzen ein (T1: 13,7%; T2: 13,5%).

Zum Zeitpunkt des Follow-up verfügten die Kinder der „fit und stark plus“-Gruppe über mehr Kenntnisse bezüglich eines gesundheitsfördernden Lebensstils als Kinder der Kontrollgruppe Sie gaben gegenüber den Kindern der Kontrollgruppe signifikant häufiger an, dass sie jeden Tag gesundes Essen, ausreichend Trinken, Bewegung-Sport, Ruhe-Entspannung, ausreichend Schlaf, Liebe-Zuneigung, Lob-Anerkennung-Erfolg und Zufriedenheit brauchen würden, um sich wohl zu fühlen. „fit und stark plus“-Kinder hatten nach der Programmdurchführung mehr Handlungsideen, ihr Wohlbefinden bei Störungen wiederherzustellen, als Kinder der Kontrollgruppe. Auf die Frage, was sie tun könnten, damit es ihnen wieder besser geht, gaben die „fit und stark plus“-Kinder nach der Programmdurchführung häufiger die Antworten gesundes Essen, Trinken, Bewegung-Sport, Ruhen-Entspannen, Schlafen, Spielen, Kuscheln-Schmusen, Freunde treffen und frische Luft als Kinder der Kontrollgruppe. „fit und stark plus“-Kinder übernahmen häufiger Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit, insbesondere im Bereich Ruhe-Entspannung, als Kinder der Kontrollgruppe. Auf die Aussagen „Wenn ich auf meinen Körper aufpasse, fühle ich mich wohl.“ und „Ich achte darauf, dass ich mich entspanne.“ antworteten zum Zeitpunkt des Follow-up „fit und stark plus“-Kinder signifikant häufiger „stimmt genau“ als Kinder der Kontrollgruppe.

Aus Sicht der Lehrkräfte zeigten Kinder der „fit und stark plus“-Gruppe sowohl in der Schlussbefragung am Ende des Schuljahres als auch im Follow-up weniger häufig Verhaltensauffälligkeiten als Kinder der Kontrollgruppe. Der Anteil auffälliger Kinder in den Bereichen Emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität und Probleme mit Gleichaltrigen [Gesamtproblemwert „auffällig“ des „Strengths and Difficulties Questionnaire“ (SDQ)] war in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der „fit und stark plus“-Gruppe. Gegenüber den Kindern der Kontrollgruppe berichteten die Kinder der „fit und stark plus“-Gruppe im Follow-up signifikant häufiger, dass sie sich „immer“ mit ihren Mitschülern wohl fühlen (Exp: 53,8%; Ko: 36,7%) und „oft“ oder „immer“ gern in die Schule gehen (Exp: 71,1%; Ko: 62,0%). Zudem wurden, nach Angaben der Kinder, in den Klassen der „fit und stark plus“-Gruppe signifikant weniger Kinder geärgert oder beleidigt (Exp: 29,0%; Ko: 46,2%). Die Kinder der „fit und stark plus“-Gruppe schätzten ihren Selbstwert, ihre Selbstwirksamkeit und ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität zum Zeitpunkt des Follow-up im Mittel signifikant höher ein als Kinder der Kontrollgruppe.

Zum Zeitpunkt des Follow-up gaben mehr als die Hälfte der Kinder der „fit und stark plus“-Gruppe (54,2%) an, sich „immer“ gesund zu fühlen, in der Kontrollgruppe waren es nur 40,1%. „Immer“ entspannt und ausgeglichen fühlten sich in der „fit und stark plus“-Gruppe 44% der Kinder (Kontrollgruppe 30,3%). Etwa 60% fühlten sich „immer“ zufrieden gegenüber knapp 44% in der Kontrollgruppe. Ich fühle mich „immer“ gut berichteten in der „fit und stark plus“-Gruppe 63,9% der Kinder im Vergleich zu 52,3% in der Kontrollgruppe. „fit und stark plus“-Kinder fühlten sich danach häufiger entspannt und ausgeglichen, häufiger zufrieden und häufiger gesund (und häufiger gut) als Kinder der Kontrollgruppe.

Das Programm zur Schmerzprävention und Gesundheitsförderung „fit und stark plus“ erzielt gegenüber der Kontrollgruppe signifikante Effekte in den Bereichen Schmerzprävention und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen aufgrund von Schmerzen.Zudem wurden Wirkungen des Programms in den Bereichen gesundheitsfördernder Lebensstil und Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit, sowie Bewegung, Entspannung, Schlaf, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Selbstwert, Klassenklima und Lernsituation nachgewiesen. Zur Überprüfung der Wirksamkeit des Programms bezüglich der Schmerzprävention wurde die 1-Wochen-Schmerzprävalenz bei Kindern erhoben. Die Kinder wurden gefragt, ob sie in der letzten Woche Schmerzen gehabt haben. Die Rosenberg Self-Esteem Skala (Rosenberg 1965) erfasst das Selbstwertgefühl der Kinder. Mit Hilfe dieser Skala haben die Kinder in der Nachbefragung Einschätzungen zu ihrem Selbstwert gegeben. Die Skala „Allgemeine Selbstwirksamkeit“ (Jerusalem & Schwarzer 1981, revidiert 1999) erhebt die Selbstwirksamkeitserwartungen der Kinder. Mit dieser Skala wurden in der Nachbefragung die eigenen Kompetenzen der Kinder, allgemein mit Schwierigkeiten und Widerständen im täglichen Leben zurechtzukommen, eingeschätzt. Die Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Kinder erfolgte mittels KINDL-R-Skala (Ravens-Sieberer & Bullinger, 1998). Mit dem KINDL-Fragebogen werden Aussagen der Kinder zu den Dimensionen Körper, Psyche, Selbstwert, Familie, Freunde und Schule erhoben.

Die Erhebung der Stärken und Schwächen der Kinder erfolgte mittels „Strengths and Difficulties Questionnaire“ (SDQ) (Goodman, 1997) durch Einschätzung der Lehrkräfte. Der SDQ ist ein einfacher Testfragebogen bestehend aus 25 Einzelfragen, die sich fünf Skalen zuordnen lassen: Emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen.

Das Programm „fit und stark plus“ bedeutet weniger Schmerzen und eine bessere Gesundheitsvorsorge.