Wenn man 24 Lehrerinnen und Lehrer auf einem Bein stehen sieht und alle im Chor „Guten Morgen, liebes Knie" sagen, dann ist das ganz bestimmt ein Seminar zum Aufstehen. Aus ganz Schleswig-Holstein waren sie am Montag in die Marienschule Lübeck gekommen um an einer Fortbildung zu mehr Bewegung im Schulunterricht teil zu nehmen. Eingeladen hatte das gemeinnützige Institut für angewandte Prävention und Gesundheitsforschung, dass das Gesundheitspräventionsprogramm „fitundstarkplus“ in schleswig-holsteinische Grundschulen implementiert.

Prof. Karla Misek-Scheider, Kinder- und Jugendpsychiaterin, stellte dem Freizeitverhalten der Kinder vor 50 Jahren die heutige Mediengeneration gegenüber. „Ausreichend Bewegung und zur Verfügung stehende Bewegungsräume sind grundlegende Faktoren, um gesund aufwachsen zu können“, so Misek-Schneider, „vor 50 Jahren bedeutete Schule Disziplin und still sitzen, in der Freizeit wurde sich bewegt und gespielt. Mit der Mediennutzung heute ist auch die Freizeit häufig vom „Stillsitzen“ geprägt“. Schule als Ort der Bewegungsförderung werde immer wichtiger.

Chancengleichheit, Gemeinschaftserleben, Beteiligung, Freude und Motivation seinen wichtige Faktoren für einen gesunden Lebensstil und eine Grundlage für erfolgreiches Lernen.

Die ehemalige Schulleiterin der Dalbek Schule Börnsen, Silke Stein, stellte das Gleichgewichts-programm zur Lernunterstützung „Bildung kommt ins Gleichgewicht“  nach Dorothea Beigel vor.

„Alle 20 Minuten sollte eine Bewegungspause sein, damit der Geist sich wieder konzentrieren kann“, erklärt Stein. In ihrer Schule habe man das Thema Bewegung sehr ernst genommen, ergonomische Schulmöbel angeschafft und den Schulhof als Erlebnisbereich gestaltet.

Seit 2011 gebe es die „bewegte Pause“. So eine Bewegungseinheit dauert nicht länger als fünf Minuten und wird in jeder Schulstunde durchgeführt. „Und jetzt mal alle mitmachen!“, fordert Stein die Anwesenden auf. „Drehen Sie sich bitte um die eigene Achse, dann schließen Sie die Augen und zählen Sie bis 10.“

„Als ich in Peking war, wurde am Bahnhof Qigong gemacht und alle Passanten machten mit. Es entstand eine faszinierende Stille, die mich tief beeindruckt hat“, beginnt Eckhard Fiebig-Duckstein seinen Vortrag. Qigong sei für den Unterricht hervorragend geeignet. 18 feste Figuren gebe es, die häufig Tiere darstellten. Das sei für Kinder sehr gut vorstellbar. „Verbunden mit einer kurzen Fantasiegeschichte erwachen die Tiere zum Leben und werden von den Kindern gezeigt,“ so etwas sei gut um wieder Energie zum Lernen zu tanken, so Fiebig-Duckstein weiter.

„Das war eine gute Veranstaltung“,  findet Susanne Samelin, Projektkoordinatorin des Programms „fitundstarkplus“, „wir werden sicherlich häufiger solche Seminare anbieten! Das ist ein guter Baustein für unser Präventionsprogramm.“

„Fitundstarkplus“ wird an über 260 Klassen in Schleswig-Holstein in den vier ersten Grundschuljahren durchgeführt. Mehr als 5000 Schüler wurden bisher erreicht. Finanziert wird das Programm über Patenschaften, die in Lübeck die Possehlstiftung und im übrigen Schleswig-Holstein die AOK NordWest übernehmen. Die Mittel für weitere 150 Klassen wurden jetzt zur Verfügung gestellt und können abgerufen werden. Für die teilnehmenden Grundschulen ist das Programm damit voll finanziert. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite „fitundstarkplus.de“.